2025-10-13
Träume auf Leinwand: Wie Loretta Gaukel Welten lebendig macht
🎨 „Wenn Bilder flüstern: Die stille Magie zwischen Mensch und Tier“
Ein bewegendes Gespräch mit der Künstlerin Loretta Gaukel über Geschichten, die aus dem Unbewussten entstehen, und die leisen Momente, die im Betrachter nachhallen
Es gibt Künstlerinnen, deren Bilder mehr sind als Farbe auf Leinwand – sie sind kleine Universen, in denen Gefühle, Fantasie und Intuition aufeinandertreffen. Loretta Gaukel gehört genau in diese Kategorie. Ihre Werke wirken wie Träume, die lebendig werden: Menschen und Tiere begegnen einander, sie scheinen zu sprechen, zu lauschen, sich zu verstehen – und doch bleibt vieles geheimnisvoll und offen für die Interpretation.
Im Gespräch öffnete Loretta ihr Atelier, ihre Gedankenwelt und die stillen Wege, auf denen ihre Geschichten entstehen. Jedes Bild ist für sie ein Experiment, eine Begegnung mit dem Unbewussten, ein Tanz zwischen Realität und Fantasie. Sie folgt Eingebungen, vertraut ihren inneren Impulsen und lässt so Wesen entstehen – wie den Kakadu, der plötzlich mehr als nur ein Vogel ist, der zu einer Persönlichkeit wird, zu einem Gegenüber, das mit der Dame auf der Leinwand kommuniziert.
„Ich male und kümmere mich nur um Farben und das Malen selbst“, erzählt sie. „Irgendwas in mir will etwas sagen und ausdrücken, und ich versuche nur, es möglichst authentisch rüberzubringen.“ In ihren Worten klingt ein tiefes Vertrauen in das Unbewusste, eine Hingabe, die den Betrachter:innen ermöglicht, eigene Geschichten zwischen den Linien und Farben zu entdecken.
Ob es die kleinen, überraschenden Begegnungen bei Ausstellungen sind, die unerwartete Wirkung ihrer experimentellen Werke oder die leisen, poetischen Momente, die entstehen, wenn jemand in ihre Bilder eintaucht – Loretta Gaukel zeigt, wie Kunst die Menschen verbindet, berührt und inspiriert.
Liebe Loretta, danke für dieses offene, zutiefst berührende Interview. Für deine Zeit, deine Gedanken und dafür, dass du uns einen Blick in diese magische, menschliche Welt der Begegnung zwischen Fantasie und Realität geschenkt hast.
Wenn Du Dame mit Kakadu malst, spürst Du dann, dass der Kakadu eine eigene Persönlichkeit bekommt? Wie erzählst Du diese stille Geschichte zwischen Mensch und Tier?
Loretta Gaukel:
Jedes Mal, wenn ich male, ist es für mich ein Experiment. Ich fange mit etwas an – vielleicht mit der Dame – und dann blättere ich gedankenverloren in einem meiner Hefte, in dem ich Bilder von Vögeln, Tieren, Tänzerinnen und allem gesammelt habe, was mich beeindruckt hat. Und dann sehe ich etwas – hier den Kakadu – und eine Geschichte fängt an, die ich male.
Ich denke nicht mehr nach, ich folge einfach etwas in mir, das man Unbewusstes nennen könnte. Es weiß oft mehr als mein Verstand, und deshalb vertraue ich ihm. Ich male und kümmere mich nur um die Farben und das Malen selbst. Irgendetwas in mir will etwas sagen, etwas ausdrücken – und ich versuche nur, es möglichst authentisch rüberzubringen.
Das Mädchen, die Dame und der Kakadu – sie begegnen sich und wollen sich verstehen. Es ist diese stille, unsichtbare Kommunikation, die mich beim Malen am meisten berührt.
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Deine Bilder wirken wie Träume, die lebendig werden. Wie entscheidest Du beim Malen, wann ein Moment realistisch bleibt und wann er ins Fantastische übergeht?
Loretta Gaukel:
Ich entscheide dabei gar nicht bewusst. Ich hoffe, dass aus dem Ungewohnten eine Geschichte entsteht – nicht nur in meiner Ahnung, sondern auch in der Fantasie der Betrachter:innen.
Realistisch ist vielleicht die Möglichkeit, dass Tier und Mensch sich treffen, sich verstehen, miteinander in Beziehung treten. Fantastisch ist die Darstellung, wenn der Kakadu so groß wird, dass er zu einem echten Gegenüber wird – fast wie ein Partner, der spricht, denkt, fühlt. Ich liebe diese Balance, bei der Realität und Fantasie sich treffen und eine neue Welt entsteht.
Gibt es eine Botschaft oder ein Gefühl, das Du den Menschen mitgeben willst, wenn sie Deine Werke betrachten?
Loretta Gaukel:
Ich halte mich an Oscar Wilde, der in seinem Art-pour-l’art-Programm im Vorwort zu Bildnis des Dorian Gray schreibt, dass die Worte eines Kritikers mehr über den Kritiker aussagen als über das Bild selbst.
Mit anderen Worten: Ich möchte es den Betrachter:innen überlassen, was sie in meinem Bild sehen, was es ihnen sagt. Ich hoffe, dass es überhaupt etwas in ihnen auslöst – vielleicht etwas, das sie noch nie gedacht haben. Selbst wenn jemand ein Bild ablehnt, ist das für mich ein Zeichen starker emotionaler Reaktion. Und das empfinde ich als ein Kompliment für das Bild.
Seit 2010 zeigst Du Deine Werke in verschiedenen Städten. Welches Feedback oder welche Begegnung mit Betrachtern hat Dich besonders berührt?
Loretta Gaukel:
Bei Ausstellungen bin ich meist nur neugierig und beobachte. Ich weiß nie, ob ich mich selbst oder andere richtig interpretiere. Meist stehe ich einfach da und schaue.
Oft sehe ich in den Augen der Besucher:innen Überraschung, Interesse, manchmal auch Begeisterung für ein Motiv, das ich nur „zufällig“ entstanden ließ und dem ich selbst nicht viel Bedeutung beigemessen habe. Das verändert meine Sichtweise. Ich beginne, Dinge anders zu sehen, erkenne neue Bedeutungen, und meine gewohnten Kriterien weiten sich.
Dieses Beobachten berührt mich sehr – und macht mich freier. Freier beim Malen, freier im Denken, weniger kontrollsüchtig.
Wenn Du selbst vor einem Deiner Bilder stehst, welche Emotionen berühren Dich am tiefsten – die, die Du beim Malen empfunden hast, oder die, die Du in den Augen der Betrachter siehst?
Loretta Gaukel:
Am meisten berühren mich die experimentellsten, unüblichsten Werke, bei denen ich während des Malens Bedenken hatte. Die Gesichter zum Beispiel – sie scheinen oft mehr Gefühle auszudrücken und mehr zu erzählen, als ich erwartet hatte.
Manchmal erkenne ich durch die Reaktionen der Betrachter:innen einen Sinn, eine Bedeutung, die mir selbst zunächst verborgen blieb. Besonders bei Collagen oder Zeichnungen mit Collageelementen bin ich glücklich, wenn die Leute die Bilder mit Aha-Momenten interpretieren.
Es berührt mich auch, wenn meine Bilder über das rein Technische oder Ästhetische hinaus etwas in den Menschen auslösen. Das passiert selten, aber genau deshalb empfinde ich es als kostbar – als Bestätigung, dass die stille Magie, die ich beim Malen gespürt habe, weiterlebt und geteilt wird.
✨ Ein großes Dankeschön an Loretta Gaukel für dieses offene, zutiefst menschliche Gespräch. Für die Zeit, die Gedanken und das Teilen der stillen Magie, die ihre Bilder in sich tragen – eine Kunst, die flüstert, erzählt und tief berührt.
Admin - 12:44:28 @ Allgemein, ARTIST, EXHIBITION | 1 Kommentar
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